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Deutschland und Togo: bilaterale Beziehungen

26.03.2019 - Artikel

Beziehungen zu Deutschland

Deutschland genießt in allen Bereichen einen sehr guten Ruf und wird als privilegierter Partner angesehen. Die deutsche Kolonialzeit (1884-1914) ist im öffentlichen togoischen Bewusstsein als überwiegend positiv in Erinnerung geblieben. Nachdem sich die Beziehungen Anfang der 1990-er Jahre aufgrund massiver Demokratie-und Menschenrechtsdefizite in Togo abgekühlt hatten, haben sie sich nach politischen und wirtschaftspolitischen Fortschritten der letzten Jahre wieder verbessert. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wurde Ende 2012 nach fast 20 Jahren Suspendierung wieder aufgenommen. Die Zusammenarbeit bei der Aus- und Fortbildung des togoischen Militärs hat ebenfalls wieder begonnen. Der hochrangige Besuchsverkehr hat sich intensiviert. 2009 und im Juni 2016 und im Oktober 2018 besuchte der togoische Präsident Faure Gnassingbé Deutschland. Im Januar 2016 reiste der Bundesminister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Müller, nach Togo. Im Rahmen des Besuches des Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Singhammer, in Togo im April 2016 fand auch ein deutsch-togoisches Wirtschaftstreffen statt.

Die Bundesregierung unterstützt den Demokratisierungs-, Versöhnungs- und wirtschaftlichen Reformprozess in Togo. Togo wünscht eine intensivere Zusammenarbeit mit Deutschland in allen Bereichen und wirbt insbesondere um verstärkte deutsche Investitionen in Togo.

Entwicklungszusammenarbeit

Togo ist eines der ärmsten Länder der Welt und nimmt auf dem Human Development Index 2018 Rang 165 von 188 Staaten ein.

Im Dezember 2011 hatte der damalige Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Niebel die Wiederaufnahme der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit angekündigt. Deutschland arbeitet mit Togo seither in den Schwerpunkten gute Regierungsführung und Dezentralisierung, Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sowie nachhaltige Wirtschaftsentwicklung mit Fokus auf berufliche Bildung und Jugendbeschäftigung zusammen. Im Zuge einer Reise des Bundesministers für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller, im Januar 2016 erfolgte eine Vertiefung der Zusammenarbeit sowie Ergänzung um die Bereiche Mutter-Kind-Gesundheit und ländliche Elektrifizierung. Zudem wurde die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Folge der Ministerzusage geographisch  breiter aufgestellt, sodass die deutschen Aktivitäten seit 2018 allen Regionen des Landes zu Gute kommen.

Die letzten Regierungsverhandlungen für Entwicklungszusammenarbeit fanden im März 2019 in Lomé statt. Die Neuzusagen der staatlichen deutschen Entwicklungszusammenarbeit belaufen sich seit Wiederaufnahme der Zusammenarbeit 2012 auf bis zu 181,4 Millionen Euro.

Daneben engagiert sich Deutschland  ergänzend über regionale und globale  Initiativen u.a. im Bereich der Ernährungssicherung, im Energiesektor (West African Power Pool, u.a. Rehabilitierung des Wasserkraftwerks Nangbeto),  im Umweltschutz und der Erhaltung der Biodiversität.

In Togo sind unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), deutsche kirchliche Hilfswerke, der Senior Experten Service (SES) und politische Stiftungen aktiv. Von den politischen Stiftungen engagieren sich die Hanns-Seidel-Stiftung mit Sitz in Lomé sowie die Konrad-Adenauer-Stiftung (Sitz in Abidjan/Côte d'Ivoire) und die Friedrich-Ebert-Stiftung (Sitz in Cotonou/Benin) in Togo. Es gibt eine Vielzahl privater Initiativen im humanitären und sozialen Bereich.

Seit 1984 hat Deutschland Togo rund 183 Millionen Euro Schulden erlassen. Im Juni 2011 verzichtete Deutschland gegenüber Togo auf die restlichen Schulden in Höhe von etwa 19,2 Millionen Euro. Die wirtschaftlichen Beziehungen haben mit der Großinvestition von HeidelbergCement im Zement-und Klinkerbereich in Höhe von 300 Millionen US-Dollar einen beachtlichen Aufschwung genommen.

Insgesamt sind die Wirtschaftsbeziehungen ausbaufähig. Seit der Wiederaufnahme der Entwicklungszusammenarbeit besteht verstärktes Interesse deutscher Unternehmen an Investitionen in Togo. Auch die togoische Regierung bemüht sich verstärkt um deutsche Investitionen in Togo. Im April 2015, 2016 und 2017 fand mit der Veranstaltung „Printemps de coopération“ eine Leistungsschau der in Togo vertretenen und an Togo interessierten deutschen Unternehmen und Hilfsorganisationen statt. Im Sommer 2019 soll ein großes gemeinsames Togo- EU Wirtschaftsforum stattfinden, um interessierte europäische  Unternehmen anzuziehen.

Kulturelle Beziehungen

Das Goethe-Institut ist seit 1961 in Lomé tätig. Es führt Kulturprogramme durch, bietet Deutschkurse an, unterhält eine Bibliothek und unterstützt den Deutschunterricht an Schulen und der Universität Lomé. Deutsch wird nach Französisch und Englisch als dritte Fremdsprache im Gymnasium als Wahlpflichtfach angeboten und ist auch in der Bevölkerung bemerkenswert weit verbreitet. Es gibt nach der Erhebung der Deutschlernerzahlen von 2015 etwa 92.500 Schüler (davon 84.000 an allgemeinbildenden Schulen, 7.000 Studierende und 1.500 Teilnehmer der Sprachkurse des Goethe-Instituts). Damit ist die Zahl der Deutschlerner seit 2010 um 16.700 gestiegen. Es gibt  fünf PASCH-Schulen (Initiative „Schulen – Partner der Zukunft“). An der Germanistikfakultät der Universität Lomé, an der eine Lektorin und eine Assistentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes arbeiten, sind rund 1.200 Studenten eingeschrieben. An der Universität Kara wurde im Dezember 2018 ein neuer Studiengang „Angewandte Sprachwissenschaften“ mit Deutsch als erster Fremdsprache und in Partnerschaft mit der Universität Germersheim eingeführt. Es gibt mehrere Hochschulkooperationen zwischen der Universität in Lomé sowie deutschen Universitäten: Fachhochschule Münster, Hochschule Zittau/Görlitz, Universität Bayreuth, Universität Kassel und die Humboldt-Universität Berlin. Die Universität Kara unterhält seit 2016 eine Hochschulkooperation mit der Universität Frankfurt. Im Januar 2012 wurde ein umfassendes Kooperationsabkommen zwischen der Universität Lomé und der Universität Tübingen unterzeichnet.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Togo ist ein Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

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